Freie Werkstätten kaufen 71 % ihrer Ersatzteile beim IAM-Großhandel, Vertragswerkstätten 77 % im OE-Netzwerk. Die spannende Zahl steht daneben: Bei fast vier von zehn freien Werkstätten ist der Einkauf außerhalb des Stammkanals in den letzten fünf Jahren gestiegen. Für unsere Kurzstudie haben wir im Juni 2026 je 100 freie und 100 markengebundene Werkstätten in Deutschland telefonisch befragt (CATI, n=200). Die wichtigsten Ergebnisse stehen vollständig in diesem Beitrag.
IAM-Werkstätten beziehen 71 % ihrer Teile über freie Großhändler, OEM-Werkstätten 77 % über das OE-Netzwerk.
der IAM-Werkstätten berichten über gestiegene Fremdbeschaffung in den letzten fünf Jahren — nur 10 % über einen Rückgang.
Nichtverfügbarkeit im Stammkanal ist für beide Gruppen der häufigste Auslöser für den Fremdbezug.
Aufbereitete Teile sind deutlich stärker etabliert als gebrauchte Teile (je 2 % in beiden Gruppen).
Kernaussage
Der Aftermarket bewegt sich nicht in Richtung eines Kanalwechsels, sondern in Richtung einer Kanal-Ergänzung: IAM- und OEM-Werkstätten lösen punktuelle Verfügbarkeits-, Qualitäts- und Kundenanforderungen zunehmend selbstverständlich außerhalb ihres Stammkanals — ein struktureller, graduell wachsender Trend statt eines disruptiven Bruchs.
Was wir gemessen haben
Ziel der Untersuchung war es, aktuelle Trends und Herausforderungen bei der Ersatzteilbeschaffung im deutschen Kfz-Gewerbe zu erfassen. Befragt wurden im Juni 2026 zwei klar getrennte Gruppen: freie Werkstätten (IAM) und markengebundene Vertragswerkstätten (OEM), jeweils n=100, insgesamt n=200. Erhebungsmethode war CATI, also computergestützte Telefoninterviews — die Antworten stammen damit durchgehend von Personen, die den Einkauf im Betrieb tatsächlich verantworten.
| Betriebsprofil (Ø je Betrieb) | IAM | OEM |
|---|---|---|
| Mitarbeiter | 4,3 | 17,2 |
| Arbeitsplätze | 6,4 | 13,4 |
| Hebebühnen | 5,1 | 9,8 |
Der Größenunterschied spiegelt sich in der Gesprächsebene: In freien Werkstätten ist in 79 % der Fälle der Inhaber oder Geschäftsführer selbst der Ansprechpartner (14 % Werkstattleiter, 7 % andere). In Vertragswerkstätten verteilt sich die Verantwortung deutlich breiter auf Inhaber (42 %), Werkstattleiter (33 %) und weitere Kontaktpersonen (25 %) — ein Abbild der arbeitsteiligeren Organisation.
Beschaffungsstruktur: Jede Gruppe bleibt ihrem Stammkanal treu
Die Beschaffungsmuster unterscheiden sich klar zwischen beiden Werkstatttypen — und beide decken den Großteil ihres Bedarfs über den jeweils eigenen Primärkanal. Trotzdem entfällt in beiden Gruppen rund ein Viertel bis knapp ein Drittel des Einkaufs auf andere Kanäle.
Ersatzteileinkauf nach Kanal
Anteil am gesamten Ersatzteileinkauf, Angaben in Prozent
IAM-WerkstättenOEM-Werkstätten
Frage: Wie setzt sich Ihr gesamter Ersatzteileinkauf aktuell auf die folgenden Kanäle zusammen? Basis: n=100 je Gruppe.
Wie stark ein OEM-Betrieb im Werkskanal bleibt, hängt an der Marke
Innerhalb der Vertragswerkstätten ist die Netzwerktreue keineswegs einheitlich. Deutsche Premiumhersteller binden ihre Betriebe am engsten an den Werkskanal, asiatische Marken am wenigsten — ein Unterschied von 25 Prozentpunkten zwischen den Extremen.
| Herstellergruppe | Anteil OE-Netzwerk am Einkauf |
|---|---|
| Deutsche Premiumhersteller | 91 % |
| Deutsche Volumenhersteller | 77 % |
| Europäische Hersteller | 72 % |
| Asiatische Hersteller | 66 % |
Die Fünf-Jahres-Verschiebung: graduell, nicht disruptiv
Die Fremdbeschaffung hat in den vergangenen fünf Jahren zugenommen — bei freien Werkstätten deutlicher als bei Vertragswerkstätten. Entscheidend ist aber die Verteilung: Die Mehrheit beider Gruppen beschreibt ihr Einkaufsverhalten als unverändert.
Veränderung der Fremdbeschaffung in den letzten fünf Jahren
Anteil der Betriebe, Angaben in Prozent
Zunahme = „deutlich“ + „leicht gestiegen“; Rückgang = „deutlich“ + „leicht gesunken“. Frage: Hat sich der Anteil Ihrer Fremdbeschaffung in den letzten 5 Jahren verändert?
Einordnung
Fast vier von zehn freien Werkstätten kaufen heute mehr außerhalb ihres Stammkanals als vor fünf Jahren, während nur jede zehnte den Fremdbezug reduziert hat. Das Bild spricht für einen graduellen Bedeutungszuwachs statt einer disruptiven Marktverschiebung — und für ein Zeitfenster, in dem sich alternative Kanäle als verlässliche Ergänzung positionieren können.
Treiber: IAM kauft technisch fremd, OEM kommerziell
Über beide Werkstatttypen hinweg wird Fremdbeschaffung primär durch operative Anforderungen ausgelöst, nicht durch strategische Einkaufspolitik. Die Rangfolge der Auslöser unterscheidet sich jedoch deutlich — und genau darin liegt die praktische Konsequenz für Anbieter.
Auslöser für den Bezug außerhalb des Stammkanals
Mehrfachnennungen möglich, Angaben in Prozent
IAM-WerkstättenOEM-Werkstätten
Frage: Aus welchen Gründen beziehen Sie Teile außerhalb Ihres üblichen Hauptkanals? Basis: n=100 je Gruppe.
Einordnung
Bei freien Werkstätten sind Qualitäts- und Spezialisierungsanforderungen fast so bedeutsam wie schlichte Nichtverfügbarkeit — Fremdbezug ist hier häufig eine technische Notwendigkeit. Bei Vertragswerkstätten rangieren Kundenwunsch und Preis deutlich vor Qualität und Elektronik — Fremdbezug ist dort eher eine kommerzielle Entscheidung im Einzelfall. Für Anbieter externer Kanäle heißt das: zwei Zielgruppen, zwei Wertversprechen.
Produktgruppen: Fremdbezug konzentriert sich auf gegensätzliche Welten
Die Bedeutung des Fremdbezugs unterscheidet sich erheblich nach Produktgruppe — und zwar spiegelbildlich. Freie Werkstätten weichen bei Karosserie, Verglasung und Elektrik aus, Vertragswerkstätten bei Reifen, Schmierstoffen und Bremsen.
Anteil des Fremdbezugs je Produktgruppe
Geschätzter Anteil außerhalb des Hauptkanals, Angaben in Prozent
IAM-WerkstättenOEM-Werkstätten
Weitere Produktgruppen (Motor/Antrieb, Fahrwerk/Lenkung, Filter) liegen für beide Gruppen im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich.
Einordnung
Die beiden Werkstatttypen kaufen entlang völlig unterschiedlicher Produktlogiken fremd ein. Freie Werkstätten weichen bei komplexen, unfall- und technikbezogenen Teilen aus — dort, wo Spezialwissen oder OE-Kompatibilität zählt. Vertragswerkstätten beziehen bevorzugt Verbrauchsmaterial über alternative Kanäle — Produktgruppen mit hoher Preistransparenz und geringem OE-Differenzierungsvorteil.
Gebrauchte und aufbereitete Teile: ein etabliertes Segment, kein Ersatz
Gebrauchte Teile — also unbearbeitete Originalteile aus Unfall- oder Altfahrzeugen — spielen mengenmäßig in beiden Gruppen praktisch keine Rolle. Industriell aufgearbeitete Teile (Remanufactured) sind dagegen deutlich stärker etabliert, besonders bei freien Werkstätten.
| Anteil an der Einkaufsmenge | IAM | OEM |
|---|---|---|
| Gebrauchte Teile | 2 % | 2 % |
| Aufbereitete Teile (Reman) | 17 % | 8 % |
| Neuteile | 81 % | 90 % |
Bei Vertragswerkstätten schwankt der Reman-Anteil je nach Herstellergruppe zwischen rund 5 % (asiatische Marken) und rund 12 % (deutsche Volumenmarken). Der mehr als doppelt so hohe Reman-Anteil im IAM zeigt: Freie Werkstätten haben Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit bereits systematischer in ihre Beschaffung integriert. Für Vertragswerkstätten bleibt hier ungenutztes Potenzial — insbesondere dort, wo Hersteller ihre eigenen Austauschteil-Programme bislang zurückhaltend positionieren.
Was das für den Aftermarket bedeutet
1. Fremdbezug ist ein Servicequalitäts-Hebel, kein reines Kostenthema
Da Nichtverfügbarkeit und Spezialteile die häufigsten Auslöser sind, entscheidet die Verfügbarkeitstiefe im Zweitkanal direkt über Durchlaufzeiten und Kundenzufriedenheit in der Werkstatt — nicht nur über den Einkaufspreis.
2. IAM-Großhandel und OE-Netzwerke haben unterschiedliche Verteidigungsaufgaben
OE-Netzwerke verlieren am ehesten Volumen bei technisch komplexen Produktgruppen und bei Marken mit geringerer Netzwerktreue (asiatische und europäische Hersteller). Der IAM-Großhandel steht bei Verbrauchsmaterial wie Reifen und Schmierstoffen im Wettbewerb mit den OEM-Vertragskanälen.
3. Remanufactured Parts sind der nächste logische Wachstumsschritt — besonders für OEM
Mit 17 % Durchdringung im IAM-Segment ist belegt, dass Werkstätten aufbereitete Teile akzeptieren. Hersteller mit eigenen Austauschteil-Programmen können den Abstand zu den 8 % im OEM-Kanal gezielt als Wachstumschance adressieren.
4. Der Trend ist graduell — das eröffnet ein Zeitfenster, kein Ultimatum
Da die Mehrheit der Werkstätten ihr Einkaufsverhalten als unverändert beschreibt, bleibt etablierten Kanälen noch Zeit, ihr Wertversprechen — Verfügbarkeit, Qualität, Konditionen — nachzuschärfen, bevor sich Beschaffungsmuster strukturell verfestigen.
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Häufige Fragen zur Studie
Wie viele Werkstätten wurden befragt?
Insgesamt 200 Betriebe in Deutschland: 100 freie Werkstätten (IAM) und 100 markengebundene Vertragswerkstätten (OEM). Die Erhebung fand im Juni 2026 als computergestützte Telefonbefragung (CATI) statt.
Was bedeutet „Fremdbeschaffung“ in dieser Studie?
Fremdbeschaffung meint den Bezug von Ersatzteilen außerhalb des jeweiligen Stammkanals: bei freien Werkstätten also den Einkauf über das OE-Netzwerk oder autorisierte Organisationen, bei Vertragswerkstätten den Einkauf über den freien Teilehandel, Hersteller oder Online-Kanäle.
Kaufen freie Werkstätten wirklich beim Hersteller ein?
Ja — 19 % des gesamten Ersatzteileinkaufs freier Werkstätten laufen über das OE-Netzwerk oder direkt über Hersteller. Ausgelöst wird das vor allem durch Nichtverfügbarkeit im Stammkanal (91 %), Spezialteile (79 %) und Qualitätsanforderungen (68 %).
Darf ich die Zahlen aus dieser Studie zitieren?
Ja, mit Quellenangabe. Pflichtangabe: Wolk & Nikolic After Sales Intelligence GmbH, »Kfz-Werkstätten in Deutschland — Einkauf von Ersatzteilen«, Juli 2026. Für kommerzielle Nutzung oder Lizenzfragen sprechen Sie uns bitte direkt an.
Diese Studie ist ein Ausschnitt
Die hier gezeigten Ergebnisse stammen aus einer Kurzstudie zu einer einzelnen Frage in einem einzelnen Markt. Wenn Sie diese Zahlen nach Kanal, Markengruppe, Produktsegment oder Land aufgeschlüsselt brauchen, ist das genau unsere Arbeit: individuelle Aftermarket-Marktforschung für konkrete Fragen und der Aftermarket Intelligence Hub als laufend aktualisierte Datenplattform mit 14.000+ Distributor-Profilen und 450.000+ Werkstattadressen für 35 Märkte.